Deren Anspruch auf jeden Raum ist das Problem

Wenn selbst ein paar Stunden zu viel verlangt sind

Am 14. August 2026 sollten afrodiasporische Kinder und Jugendliche einen Sommernachmittag im „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne verbringen. Für sechs Stunden war das Schwimmbecken für Each One Teach One (EOTO) e. V. reserviert – so wie auch anderen Vereinen eigene Zeitfenster zur Verfügung gestellt wurden.

Was ein schöner, unbeschwerter Ferientag werden sollte, wurde durch eine rassistische mediale und politische Kampagne verhindert.

Aus einem zeitlich begrenzten Angebot für strukturell benachteiligte Kinder wurde ein angeblicher Ausschluss weißer Menschen konstruiert. Es wurde von „Rassentrennung“, „Apartheid“ und Diskriminierung gesprochen. Es folgten rassistische Drohungen, Gewaltandrohungen und die gezielte Mobilisierung gegen die Veranstaltung. Am Ende konnte die körperliche und psychische Sicherheit der Kinder nicht mehr gewährleistet werden. EOTO sah sich gezwungen, die Veranstaltung abzusagen.

B.R.A.V.E. benennt klar, was hier passiert ist:

Afrodiasporischen Kindern wurde ein Raum genommen, weil weiße Menschen es nicht ertragen konnten, für wenige Stunden einmal nicht gemeint zu sein.

Weiße Menschen verfügen über eine kaum überschaubare Zahl an Orten, Angeboten und Aktivitäten, in denen sie selbstverständlich die Mehrheit bilden. Sie können dorthin gehen, ohne „Diversität befürchten“ zu müssen. Sie müssen sich nicht fragen, ob sie wegen ihrer Hautfarbe angestarrt, ausgegrenzt, beleidigt oder angegriffen werden. Sie kennen das Gefühl, in einem Raum nicht aufzufallen, nicht stellvertretend für eine ganze Gruppe zu stehen und nicht zum vermeintlichen „Paradiesvogel“ gemacht zu werden. Diese Erfahrung ist für sie so alltäglich, dass sie nicht einmal als Privileg wahrgenommen wird.

Doch sobald afrodiasporische Menschen einen Raum für sich beanspruchen, wird aus weißer Selbstverständlichkeit plötzlich Empörung. Dann werden wenige geschützte Stunden zur angeblichen Zumutung. Dann soll die weiße Mehrheitsgesellschaft selbst dort im Mittelpunkt stehen, wo es ausnahmsweise nicht um sie geht.

Ein Safer Space ist keine Diskriminierung weißer Menschen. Er ist eine notwendige Reaktion auf eine Gesellschaft, in der afrodiasporische Menschen immer wieder rassistisch markiert, kontrolliert, exotisiert, ausgeschlossen und angegriffen werden. Dass weiße Menschen die Notwendigkeit solcher Räume häufig nicht nachvollziehen können, liegt gerade daran, dass sie selbst fast überall Räume vorfinden, in denen ihre Sicherheit, Zugehörigkeit und Bewegungsfreiheit als selbstverständlich gelten.

Dieses Privileg endet nicht an den deutschen Grenzen. Globale rassistische Machtverhältnisse ermöglichen weißen Menschen, sich in weiten Teilen der Welt mit einer Freiheit und Selbstverständlichkeit zu bewegen, die afrodiasporischen Menschen verwehrt bleibt. Während weiße Reisende vielerorts willkommen geheißen werden und sich darauf verlassen können, als Individuen wahrgenommen zu werden, sind afrodiasporische Menschen weltweit unterschiedlichen Formen von Rassismus, Repression, Kontrolle und Gewalt ausgesetzt.

Die Behauptung, ein zeitlich begrenzter Safer Space stelle eine spiegelbildliche Form von Rassismus dar, ignoriert diese ungleichen Ausgangsbedingungen bewusst.

Auch rechtlich ist die Sache eindeutig: Nach § 5 Absatz 2 des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes und § 5 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes sind positive Maßnahmen zulässig, wenn sie bestehende strukturelle Benachteiligungen verhindern oder ausgleichen sollen. Zeitlich begrenzte Angebote für benachteiligte Gruppen sind keine rechtswidrige Diskriminierung. Sie sind ein gesetzlich anerkannter Beitrag zu tatsächlicher Teilhabe.

Wer einen solchen Raum mit „Apartheid“ oder „Rassentrennung“ gleichsetzt, verdreht nicht nur die Realität. Diese Person verharmlost historische und gegenwärtige rassistische Gewalt und macht aus den Privilegierten vermeintliche Opfer.

Am schwersten wiegt, was diese Kampagne den betroffenen Kindern vermittelt hat: Nicht einmal für ein paar Stunden dürft ihr einfach unter euch sein. Nicht einmal ein gemeinsamer Ferientag bleibt unangetastet. Selbst ein Raum, der ausdrücklich für euch geschaffen wurde, kann euch wieder genommen werden, sobald weiße Menschen ihren uneingeschränkten Anspruch auf Zugang bedroht sehen.

Das ist kein abstrakter Kulturkampf. Das ist Gewalt gegen Kinder.

B.R.A.V.E. steht solidarisch an der Seite von EOTO, der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Familien sowie aller Organisationen, die afrodiasporische Safer Spaces schaffen und verteidigen.

Wir werden nicht um Erlaubnis bitten, Räume zu schaffen, in denen afrodiasporische Menschen sicher, sichtbar und selbstverständlich sein können.

Wir bauen, was uns gefehlt hat. Und wir lassen uns nicht einreden, dass unser Schutz, unsere Gemeinschaft oder unsere Freude eine Bedrohung für andere darstellen.

 

 

 

 

 

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